Drill

Um den Sinn des Drills zu verstehen müssen wir auf die Wirkungsweise des Adrenalins vorgreifen.

 

Geschichte

 

Bei einer akuten Gefahr haben sich über Jahrtausende hinweg zwei Ur-Reaktionen bewährt: Kampf oder Flucht. Und darauf ist das menschliche Gehirn bis heute programmiert: Mit einer Kaskade von Botenstoffen vermag es den Körper Sekunden schnell in Handlungsbereitschaft zu versetzen. Der Körper ist in Alarmbereitschaft „fight or flight“, Kampf oder Flucht, wie in der Stressforschung von Walter Cannon, der zweite große Pionier neben Selye, diese Reaktionen bereits 1915 beschrieb.

Reaktion

 

Die biologische Stressreaktion beginnt im Hypothalamus, einer Region des Zwischenhirns, mit der Ausschüttung von Corticotropin-Releasing-Hormon (CRH) und Vasopressin; diese Alarmstoffe bewirken in der Hirnanhangsdrüse die Freisetzung eines weiteren, ACTH. Der gelangt nun über den Blutkreislauf in die Nebennierenrinde und stimuliert dort die Produktion des Stresshormons Kortisol. Im Nebennierenmark werden derweil zwei weitere Stresshormone gebildet, Adrenalin und Noradrenalin.

Wirkung

 

Gemeinsam sorgen die Hormone dafür, dass der ganze Körper blitzschnell auf Hochspannung umschaltet: Das Herz schlägt schneller, der Blutdruck schnellt empor, und die Atemfrequenz beschleunigt sich, damit der Körper mit mehr Sauerstoff versorgt wird. Die Leber stellt Zucker zur Verfügung, so dass die Muskeln und das Gehirn mehr Energie umsetzen können. Das Blut strömt vermehrt in die Skelettmuskulatur. Die Schweißdrüsen werden angeregt, um den Körper vor Überhitzung zu schützen.

Positive Auswirkung

 

Alles, was im Kampf nicht unbedingt die Überlebenschancen erhöht, wird derweil unterdrückt: Sexualtrieb, Müdigkeit, Hungergefühl, Verdauung und die Immunabwehr. In Körperteilen wie den Geschlechtsorganen, die nicht fürs Kämpfen oder Flüchten benötigt werden, ziehen sich die Blutgefäße zusammen. Energiereserven werden vom Körper bereit gestellt, die volle Leistung steht zum Abruf bereit, etc.

Negative Auswirkung

 

Ein Adrenalinstoß hat auch negative Eigenschaften. Die Blase und der Darm erhalten das Signal, sich schnell zu entleeren. Das rationale denken wird vermindert, der Körper beginnt zu zittern da die Feinmotorik abnimmt, das Sichtfeld wird eingeschränkt (Tunnelblick), um nur einige zu nennen.

Um sich jetzt unter Adrenalin (bei einer Bedrohung) effektiv verteidigen zu können, gibt es zwei Möglichkeiten dies zu trainieren.

1. Das mehrjährige trainieren und wiederholen von Techniken bis diese automatisiert im Unterbewusstsein ausgeführt werden können.
(Die Schwäche bei diesem Konzept ist der hohe Zeitaufwand. Es ist daher nicht geeignet, um untrainierte Personen in kurzer Zeit unter Hochstress handlungsfähig zu machen.)

2. Das trainieren der Techniken in Stresssituationen.
(Dinge die unter Stress erfolgreich angewandt wurden, werden sehr schnell als unterbewusste Reaktion bei ähnlichen Situationen abgespeichert.)
Aber wie kann man Techniken in Stresssituationen trainieren?) Der Schlüssel hierzu ist unser Drill!

In unserem Unterricht bauen wir aus diesem Grund sogenannte Drills (Stressdrills) ein. Bei diesen wird mit verschiedenen Hilfsmitteln, wie körperlicher Erschöpfung, Reizüberflutung, Überraschung u.Ä. realer Stress im Körper erzeugt und/oder typische Negativeffekte eines Adrenalinschubs hervorgerufen. Auf diese Art und Weise lassen sich in kürzester Zeit bemerkenswerte Erfolge erzielen da der Körper sich an die Reize gewöhnt und diese Kontrolliert werden.

In einer realen Stresssituation kann durch die Erfahrung aus dem Drill das Adrenalin kontrolliert werden. Ebenfalls sind die Techniken die im Unterricht trainiert wurden bereits im Körper für eine solche Situation abgespeichert und das Unterbewusstsein greift darauf zurück.

Durch den Drill wird somit ein Verhalten im Ernstfall ohne Risiken trainiert.

Als weitere Trainingsart um die Adrenalinausschüttung zu kontrollieren kommt das „Model Mugging“ hinzu.